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ROUNDUP: Auslandszukäufe geben Vonovia weiter Auftrieb - Aktie gefragt

BOCHUM (dpa-AFX) - Milliardenschwere Zukäufe im Ausland und höhere Mieteinnahmen haben Deutschlands größtem Immobilienkonzern Vonovia auch im Auftaktquartal 2020 mehr Gewinn beschert. Zudem profitierte der Dax-Konzern von seinem Wohnungsbestand, von Neubauten und Dachaufstockungen, aber auch von seinen Dienstleistungen rund um die Gebäude. Die Aktie legte am Dienstagvormittag um mehr als fünf Prozent auf gut 46 Euro zu.

"Wir sind gut ins neue Jahr gestartet", sagte Unternehmenschef Rolf Buch in einer Telefonkonferenz am Dienstag. Er bleibe weiterhin für das Gesamtjahr optimistisch. Der Vorstand peile für 2020 weiter einen operativen Gewinn (FFO) von rund 1,275 bis 1,325 Milliarden Euro an. Das wäre ein Plus von bis zu 9 Prozent zum Vorjahr. Die Mieteinnahmen sollen um rund 10 Prozent auf rund 2,3 Milliarden Euro steigen. Allerdings sollen die Mieten aus eigener Kraft wegen Verzögerungen bei Neubauten und Modernisierungen etwas weniger stark zulegen als ursprünglich geplant.

"Wirtschaftlich hat Corona keine Auswirkungen auf unser Geschäft, das hängt auch mit unserer finanziellen Lage zusammen", betonte Buch. Vonovia habe sich weiterhin zu guten Konditionen frisches Geld am Kapitalmarkt beschafft. Im ersten Quartal schloss das Unternehmen Finanzierungen über insgesamt 500 Millionen Euro mit Pfandbriefbanken ab und platzierte Ende März zwei Anleihen im Volumen von insgesamt einer Milliarde Euro. "Wir müssen uns keine Sorgen machen, auch wenn wir zu viel Geld in der Kasse haben", sagte Buch.

Auch hielten sich die Anfragen im Bezug auf Mietstundungen in Grenzen, sagte Buch. Bisher hätten sich etwas mehr als ein Prozent der Mieter wegen wirtschaftlicher Nöte gemeldet. Dies dürfte sich zeitlich begrenzt nur in einem sehr geringen Umfang auf die gesamten Mietzahlungen auswirken. Für gestundete Mieten entwickele Vonovia gemeinsam mit den Mietern individuelle Lösungen wie etwa langlaufende Ratenzahlungen, hieß es.

Im ersten Quartal erhöhte sich das operative Ergebnis (FFO) im Jahresvergleich um 10,5 Prozent auf 335,5 Millionen Euro. Die Mieteinnahmen stiegen in den ersten drei Monaten bei einem weiter geringen Leerstand um rund 12,3 Prozent auf 564 Millionen Euro.

Die Mieten erhöhten sich im Schnitt um 5,8 Prozent. "Unsere Durchschnittsmiete von 6,94 Euro pro Quadratmeter ist keine Luxusmiete", sagte Buch. Vielmehr liege sie auf dem Niveau der Sozialmieten in Nordrhein-Westfalen. Vonovia war Ende März bei einer Leerstandsquote von 2,8 Prozent weiter nahezu voll vermietet. Während die Nachfrage nach Wohnungen auf einem ähnlichen Niveau wie in den vergangenen Monaten bleibe, gebe es rund 40 Prozent weniger Kündigungen.

Deutlich mehr Geld steckte Vonovia mit gut 450 Millionen Euro im ersten Quartal in Modernisierung, Neubau und Instandhaltung. Allerdings kommt Vonovia beim Bau neuer Wohnungen nicht so schnell voran wie geplant. Sicherheitsvorkehrungen in der Corona-Pandemie würden einige der ursprünglich für 2020 geplanten Neubauprojekte bis 2021 verzögern, hieß es. Daher seien in diesem Jahr die Fertigstellung von mehr als 1600 anstatt 2000 Wohnungen geplant. In den ersten drei Monaten stellte Vonovia 122 Wohnungen fertig.

Seit Jahren laufen die Geschäfte für Vonovia dank steigender Mieten in den Großstädten gut. Dabei profitiert der Vermieter wie andere aus der Branche vor allem von modernisierten Wohnungen. Die Kosten dafür legen die Konzerne nicht nur teilweise auf die Mieter um, sondern sie können die Mieten anschließend auch stärker erhöhen. Zudem setzt Vonovia auf Neubau und die Aufstockung von Gebäuden. Mittelfristig will das Unternehmen 12 000 neue Wohnungen bauen, insgesamt verfügt es laut Unternehmenschef Buch über Grundstücke für den Bau von 47 000 Wohnungen.

Der Wohnimmobilien-Konzern wächst zugleich auch seit Längerem durch Übernahmen im In- und zuletzt auch im Ausland, etwa von Rivalen wie Gagfah, Süddeutsche Wohnen (Südewo), Franconia und Wiener Conwert. 2018 kamen Buwog aus Österreich und Victoria Park aus Schweden hinzu, 2019 auch der Stockholmer Wohnimmobilienkonzern Hembla AB. Zuletzt übernahm der Wohnungskonzern den Projektentwickler Bien-Ries. Mittlerweile gehören Vonovia mehr als 400 000 Wohnungen.

Jüngst kamen erneut Übernahmegerüchte auf, dass Vonovia einen Kauf des Konkurrenten Deutsche Wohnen prüfe. Ein erster Versuch war vor vier Jahren gescheitert. Dabei könnte ein Unternehmen mit einer Marktbewertung von fast 40 Milliarden Euro entstehen. Vonovia erteilte dem jedoch vorerst eine vage Absage. Zum einen liegen dem Konzern zufolge die Prioritäten in Zeiten der Corona-Pandemie woanders, zum anderen hält Vonovia eine politische Zustimmung für nötig.

Der Berliner Wohnungsmarkt steht aktuell vor allem wegen des Mietendeckels im Fokus. Damit werden die Mieten für 1,5 Millionen Wohnungen in der Hauptstadt, die vor 2014 gebaut wurden, in den kommenden fünf Jahren eingefroren. Für Neuvermietungen gelten Obergrenzen. Dies trifft besonders Immobilienkonzerne wie Deutsche Wohnen und Ado Properties , die Immobilien überwiegend in Berlin besitzen.

Aber auch sonst weht den großen Wohnimmobilien-Konzerne in Deutschland ein rauerer Wind entgegen. Erst jüngst verlängerte der Bundestag angesichts der anhaltenden Knappheit an Wohnungen die Mietpreisbremse um fünf Jahre und verschärfte sie zudem. Künftig können Mieter zu viel gezahlte Miete auch für bis zu zweieinhalb Jahre rückwirkend zurückfordern./mne/men/jha/


Quelle: dpa-AFX

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